Das war’s wohl in den USA: Ergebnisse sind soweit deutlich – Bericht und Kommentierung

US-Praesidentenwahl_2020(small)Washington, D.C., 14. November 2020: Das vorläufige Ergebnis bei der Wahl zum US-Präsidenten zeigt nun deutlicher die Entscheidung zugunsten des Kandidaten der Demokratischen Partei, Joe Biden.
Laut der auf dem Nachrichtensender CNN veröffentlichten Daten erzielt Biden insgesamt 50,9 % und 306 Wahlpersonen im „Electoral College“, welches insgesamt 538 Personen umfasst. Auf dem Kandidaten der Republikaner und bisherigen Präsidenten, Donald Trump, kommen demnach 232 Wahlpersonen bei 47,3 Prozent. Alle anderen Kandidatinnen und Kandidaten erreichen insgesamt 1,8 %.
Bei der Wahl zum Repräsentantenhaus erreichen die Demokraten beim jetzigen Auszählungsstand 219 der insgesamt 435 Mandate sowie die Republikaner 204 Mandate, 12 Mandate werden noch ausgezählt. Erfolgreicher waren die Republikaner bei der Wahl zum Senat, der „Staatenkammer“ in den USA. Es wurden rund ein Drittel der Senatorinnen und Senatoren gewählt, insgesamt kommen die Demokraten hierbei auf 48 der 100 Gesamtmandate (2 Senatoren pro Bundesstaat), die Republikaner können derzeit mit mindestens 50 Mandaten rechnen.
In einigen Bundesstaaten wurden auch die Gouverneure, also die direkt gewählten Landeschefs der Bundesstaaten, bestimmt. Demnach erzielten die Demokraten von den 50 Gouverneurspositionen nun 23, die Republikaner kommen auf 27.
Der abgewählte Präsident Trump erreichte in 24 Bundesstaaten eine Mehrheit, Joe Biden in insgesamt 26 Staaten. Biden liegt in vier Staaten unterhalb von 50 %, Trump in allen 24 von ihm gewonnenen Staaten über 50 %. In Wyoming kommt Trump auf 69,9 Prozent und erzielt damit das höchste Ergebnis bei dieser Präsidentschaftswahl, Biden erreicht in Vermont mit 66 % sein höchstes Ergebnis, in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Staat, kommt Biden immerhin auf 63,8 %.
Obwohl Biden der bislang älteste Kandidat - und künftige Präsident – ist, erzielt er laut „Exit-Poll-Umfragen“ des Senders CNN gerade bei der jüngsten Wählendengruppe – 18 bis 24 Jahre – das höchste Ergebnis mit rund 65 %, Trump kommt auf 52 % in der Gruppe von 50 Jahren aufwärts.
In den Gruppen, die nach der persönlichen wirtschaftlichen Lage gefragt wurden, entschieden sich 72 % für Trump bei denjenigen, die ihre Lage als besser als vor 4 Jahren angeben und 77 % derjenigen, die diese als schlechter bezeichnen, wählten Biden.
87 % der afro-amerikanischen Bevölkerung wählten Joe Biden und 65 % der sog. Latinos sowie 61 % der asiatisch-stämmigen Bevölkerung, während Trump auf 58 % in der weißen Bevölkerungsgruppe kommt.
Insgesamt handelt es sich bei dieser Wahl offenbar um eine Abwahl von US-Präsident Trump und weniger um einen Wahlsieg der Demokraten. Vor allem, wenn man sich die ansich guten Ergebnisse für die Republikaner bei der Wahl zum Repräsentantenhaus, dem Senat sowie bei den Gouverneurswahlen ansieht, sind weniger die Republikanische Partei bzw. deren Mandatsträger abgestraft worden als vielmehr ihr Präsident. Und daraus sollten die Republikaner ihre Lehren ziehen.

Eine Woche nach den Wahlen in den USA – „Erste“ Ergebnisse liegen vor

Biden_JoeWashington, D.C., 10. November 2020: Eine für die innenpolitische Lage der USA aufreibende Woche liegt zurück: Am 3. November 2020 wurden in den Vereinigten Staaten sowohl, wie alle vier Jahre, der Präsident, und wie alle zwei Jahre das Repräsentantenhaus sowie alle sechs Jahre rund ein Drittel des Senats gewählt. Hinzu wird auch über einen Teil der Posten der Gouverneure in den Einzelstaaten abgestimmt. Für das Präsidentenamt standen, neben - unbekannteren - Personen, die Kandidatinnen und Kandidaten der Demokraten und Republikaner, Joe Biden (Bild)/Kamala Harris und Donald Trump/Mike Pence zur Wahl. Für Donald Trump wäre es die Wiederwahl gewesen, für Joe Biden ist es die erste Wahl zum Präsidentenamt.
Erst nach drei Tagen, am 7. November, stand das Ergebnis der Präsidentschaftswahl vorläufig fest. Da das eigentliche Wahlgremium das sog. „Electoral College“, zu deutsch etwa „Wahlpersonen-Kollegium“, über die Mehrheiten der jeweiligen Kandidatinnen und Kandidaten in den Bundestaaten gebildet wird, sah es zunächst nicht nach einem Sieg der Republikaner bzw. Demokraten aus. Für eine Mehrheit in diesem Gremium benötigen die zu wählenden Personen mindestens 270 der 538 Wahlpersonen. Diese Abstimmung findet im Dezember eines Jahres der Präsidentenwahl statt.
Nach dem vorläufigen Ergebnis kann Joe Biden mit derzeit 279 Wahlpersonen rechnen, in North Carolina, Arizona und Georgia steht das Ergebnis noch nicht fest, in Alaska sieht es nach einem deutlichen Sieg von Donald Trump aus, der auch in North Carolina bei der Zählung führt, in Georgia und Arizona führt derzeit Joe Biden aus. Auf Landesebene, also in der gesamten USA, erzielt Joe Biden 50,6 %, Donald Trump erreicht 47,6 %.
Bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus kommen die Demokraten bis jetzt auf 217 der 435 Mandate, die Republikaner erreichen bislang 201 Sitze. Bei der Senatswahl liegen Demokraten und Republikaner mit jeweils 48 Mandaten Kopf-an-Kopf. Weitere Ergebnisse folgen.

USA kurz vor der Präsidentschaftswahl: Soll man den Umfragen wirklich glauben? Bericht und Kommentar

USA-LogoWashington, D.C., 2. November 2020: Morgen also ist der Tag der Entscheidung über den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, bzw. wer die Geschicke des Landes zumindest in den nächsten vier Jahren bestimmen soll. Zur Wahl stehen, neben einem Drittel der Senatsmandate und dem gesamten US-Repräsentantenhaus, für die Republikaner der amtierende Präsident Donald J. Trump und für die US-Demokraten Joe Biden.
Glaubt man den derzeitigen Umfragedaten, könnte es wieder zu einem Machtwechsel kommen, dieses Mal von den Republikanern zu den Demokraten. Demnach kann der Herausforderer Biden mit einem landesweiten Stimmenvorsprung von 8 – 10 %-Punkten rechnen. Zudem ist es auch in nahezu allen Umfragen nach Einzelstaaten ausgewiesen, dass Biden wohl in dem für die eigentliche Wahl vorgesehenen „Electoral College“ mit einer Mehrheit rechnen kann.
Da liegt aber die Crux in den Meinungsumfragen bzw. in deren Schwächen: 2016 hatte Donald Trump die Wahl gegenüber Hillary Clinton nur deshalb gewonnen, weil er bei der Wahl im November des Jahres mehrere Bundesstaaten abnehmen konnte, die vorher vom ebenfalls demokratischen Präsidentschaftskandidaten bzw. Präsidenten Barack Obama gewonnen wurden. Daher hatte Trump gegenüber Hillary Clinton landesweit zwar das Nachsehen bei 45,9 % zu 48 % für Clinton, aber da Trump sowohl in Florida, Michigan, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin gewann, also in Staaten, die 2012 noch an Obama gingen, konnte er trotz des Rückstandes von nahezu 3 Millionen Stimmen auf Clinton im Wahlpersonen-Gremium 304 der insgesamt 538 Mandate gewinnen.
Da die Umfragen gerade in den Einzelstaaten immer auch zusammen mit dem Problem der statistischen Schwankungsbreite zu betrachten sind, kann es bei recht knappen Umfragen nicht zu 100 % gesagt werden, ob der betreffende Einzelstaat wirklich an den einen wie auch dem anderen fallen wird. Insgesamt jedoch kann Biden derzeit – nach Auskunft der Webseite „realclearpolitics.com“ - mit ca. 216 sicheren Mandaten rechnen, Donald Trump etwa mit 125 Mandaten und als noch unentschieden gelten etwa 197 zu verteilende Mandate.
Die Webseite „electoral-vote.com“ ist, was die Aussichten für Biden anbelangt, doch etwas optimistischer. Die bei dieser Seite abgebildeten Umfragen hatten sogar den Staat Texas, der immerhin 38 Wahlpersonen in die Waagschale bringt, zumindest zeitweise auch für Biden gesehen. Das wäre insofern sensationell, da Texas des letzte Mal 1976 von einem Demokraten - Jimmy Carter - „geholt“ wurde.
Also sind durchaus noch Überraschungen drin und obwohl die Meinungsforscher in den USA offenbar der Ansicht sind, dass eine hohe Wahlbeteiligung, die sich derzeit abzeichnet, den Demokraten zugutekäme, ist gerade bei dieser Aussage Vorsicht geboten. Denn auch 2016 war die Wahlbeteiligung gestiegen und man sollte eher danach fragen, wer wirklich zur Wahl geht und eben, wer nicht. Zudem scheint die politische Stimmung in den USA geradezu extrem polarisiert und man muss damit rechnen, dass das sowohl den Republikanern wie auch den Demokraten gleichermaßen entgegenkommt. Die Anhängerschaft Trumps will ihn unbedingt behalten, die Anhängerschaft Bidens eben auf gar keinen Fall. Und das dürfte sich mobilisierend in beide Richtungen auswirken, sodass es evtl. wieder an wenigen einzelstaatlichen Stimmen hängen dürfte – oder auch nicht.

Umfragedatendurchschnitt im Oktober 2020: Union und Bündnis 90/Die Grünen wären Wahlgewinner

Monats-Umfrage(Oktober_2020)_kleinBerlin, 1. November 2020: Wie schon in den vergangenen Rückblicken erwähnt, sind die Monate seit Mitte März und dann ab April 2020 zu demoskopischen Erfolgen für die CDU/CSU geworden, nachdem sie in den Monaten davor auch schon auf unter 30 % im Durchschnitt gefallen war. Die Einschränkungen im Bereich der persönlichen Freiheit sowie deren anschließende Lockerungen, die seit Beginn der „Covid-19-Pandemie“ im März die Innenpolitik bestimmen, erfahren immer noch Zustimmung bei einer breiten Mehrheit der Bevölkerung. Und davon profitierten bislang allein die Unionsparteien, während die SPD demoskopisch auf der Stelle tritt. Auch die recht frühe Nominierung des Bundesfinanzministers Olaf Scholz – als SPD-Kanzlerkandidat – hat bislang nicht viel daran geändert.
Allerdings: Der rasante Anstieg der Infizierten-Anzahl ab Ende September 2020 und vor allem in der vergangenen – letzten – Oktober-Woche auf mehr als 19000 Neuinfizierte an einem Tag, hat sich in den Umfragen - bislang - nicht zeigen können. Die Frage ist, ob diese hohen Zahlen wieder durch die erneuten Beschränkungen in der Bewegungsfreiheit der Bevölkerung, die am 28. Oktober von den Ministerpräsidenten der Länder sowie der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurden, ihre erhoffte Wirkung entfalten und ob die Bevölkerung nach das wie vor unterstützen wird.
In der aktuellen „Sonntagsfrage“ („Welche Partei werden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre?”) sind die CDU und CSU zusammen nun im Oktober-Durchschnitt bei 35,5 % insgesamt angekommen.
Hinweis: Dieser Wert in den Meinungsumfragen stellt allerdings kein reales Wahlergebnisse dar, ebenso wenig die Werte für die anderen Parteien. Umfragen erfassen nämlich nur einen augenblicklichen Wert zu dem Zeitpunkt, an welchem sie erhoben werden, eine statistische Schwankungsbreite inbegriffen.
Die SPD hängt immer noch im Umfragetief und würde rund 5,2 %-Punkte auf 15,3 % - im Vergleich zum vergangenen Bundestagswahlergebnis (2017) - verlieren, während die Union um 2,6 %-Punkte zulegen würde. Bündnis 90/Die Grünen erzielt im Oktober durchschnittliche 19,3 %, was einen Zugewinn von 10,4 %-Punkte ausmachen würde, sie also ihren vorherigen Bundestagswahl-Anteil mehr als verdoppeln könnte. Die AfD würde zumindest dem Umfragedurchschnitt nach im Vergleich mit Bundestagswahlergebnis von 2017 um 2,4 %-Punkte auf jetzt 10,2 % zurückgehen.
Die LINKE wie auch die FDP gehören ebenso zu den demoskopischen Verlierern. Die LINKE würde auf ca. 7,7 Prozent und die FDP auf knapp 6,0 % kommen, diese wieder etwas mehr als im Vormonat. Alle anderen Parteien erzielen ebenfalls zusammen rund 6,0 Prozent.
Beurteilt man die Daten nach dem bekannten „Links-Rechts-Schema“, so erreichen die CDU/CSU, die AfD sowie die FDP zusammen 51,7 %, SPD, Grüne und LINKE erzielen laut Umfragedurchschnitt 42,3 %. Eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen würde auf 60,8 % kommen, eine – fiktive - Koalition von Union und Bündnis 90/Die Grünen erreicht 54,8 % und die derzeitige Koalition aus Unionsparteien und SPD käme auf 50,8 %.
Die (mögliche) Mandatsverteilung auf der Basis der gesetzlichen Grundmandate (598 Sitze) zeigt dann folgendes auf: Die CDU/CSU würde 226 Mandate erzielen, die SPD 97, die AfD käme auf 65 Mandate, die FDP auf 38, die LINKE würde 49 Mandate erringen und schließlich erreicht Bündnis 90/Die Grünen 123 Sitze.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern dem Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten eines gesamten Monats der Institute Kantar, Infratest-Dimap, INSA-Consulere, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut, GMS und dem Institut für Demoskopie (Allensbach) sowie YouGov ergibt.