Infratest-Dimap sieht die SPD nur noch einen Punkt vor der AfD: Bericht und Kommentar

Infratest-Dimap-Umfrage(150218)_kleinBerlin, 15. Februar 2016: Die aktuelle „Sonntagsfrage“ von Infratest-Dimap (ARD-„Deutschlandtrend“) sieht die SPD auf dem (bislang) tiefsten Punkt einer Umfrage zur Bundestagswahlabsicht überhaupt.
Demnach liegen die Sozialdemokraten nur noch bei 16 %, die AfD kommt auf 15 %. Die CDU/CSU ist mit aktuellen 33 % nun mehr als doppelt so stark wie die SPD. Bündnis 90/Die Grünen kommt auf 13 %, die FDP auf 9 % und die LINKE erreicht in der Umfrage 11 %.
Damit scheint einzutreten, was viele Beobachter sich kaum vorstellen konnten: Die AfD, liegt nur noch einen Prozentpunkt hinter der SPD, bei allem Vorbehalt bezüglich der statistischen Schwankungsbreiten, die jeder Umfrage innewohnen. Und wahrscheinlich könnte die AfD auch die SPD noch überholen, zumal auch die Bindungen an alle Parteien merklich abgenommen haben.
Die SPD ist dem Irrtum erlegen, dass sie der Bevölkerung nur mehr Sozialleistungen gewähren müsse, um sozusagen „automatisch“ gewählt zu werden. Dieser Logik entsprechend ist es auch verständlich, dass dieselbe Bevölkerung dann auch mit einer Antihaltung gegenüber den Sozialdemokraten reagiert, wenn sie Sozialleistungen abbaut, wie in der Regierungszeit eines Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) geschehen. Derzeit scheint man der SPD in gar keinem Bereich etwas zuzutrauen.

Jetzt ist „Schulz“, ähem Schluß: Martin Schulz verzichtet auch auf Ministeramt – Bericht und Kommentar

Martin_SchulzBerlin, 9. Februar 2018: Was soll man noch über den „Wende-Martin“ sagen, außer, dass sein Entschluss, doch auf das Amt des Außenministers zu verzichten in einer neuen „Großen Koalition“ von CDU/CSU und SPD (die beide wirklich kaum noch als „groß“ zu bezeichnen sind), wohl die allerletzte Konsequenz ist nach einer mit „Pauken und Trompeten“ verlorenen Bundestagswahl. 
Zur Erinnerung: Martin Schulz ist am 24. Januar 2017 durch die Ankündigung seines Vorgängers im Amt des SPD-Bundesvorsitzenden, Sigmar Gabriel, in die bundesdeutsche Politik gekommen, als eben jener Gabriel auf einer erneute Kandidatur für den Bundesvorsitz der SPD verzichtete und Schulz dafür vorschlug. Gleichzeitig wurde Schulz auch Kanzlerkandidat seiner Partei.
Und als hätten die Medien auf diese neue Personalie nur gewartet, schossen plötzlich alle Umfragedaten sowohl für Schulz als Kanzleralternative - gegenüber Angela Merkel (CDU) - wie auch für die SPD als Alternative zur CDU/CSU geradezu in den Himmel. Schulz wurde außerdem mit 100 % auf dem Sonderparteitag der SPD, eine Woche vor der Landtagswahl im Saarland, zum neuen SPD-Bundesvorsitzenden gewählt. Es schien, als hätten die plötzlich guten Umfragedaten den SPD-Funktionären sämtliche Gehirnzellen geraubt. Zudem: Umfragen sind halt keine realen Wahlergebnisse und nur eine Woche nach seiner Inthronisierung verlor die SPD die erste der drei wichtigen Landtagswahlen, nämlich die im Saarland.
Und weiter ging es bergab: Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gingen ebenfalls an die CDU. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, der angeblichen „Herzkammer der SPD“ (was wahlgeschichtlich falsch ist) lag die SPD noch zur Landtagswahl 2012, also die der 2017 vorausgehenden Landtagswahl, 12,8 %-Punkte vor der CDU, nun sind es 1,8 %-Punkte Rückstand auf die Christdemokraten in diesem Bundesland.
Nach der Wahlniederlage der SPD bei der Bundestagswahl kündigte Schulz dann an, in die Opposition gehen und die SPD erneuern zu wollen, bei einem Verlust von gut 15,2 % ihrer Zweitstimmen von 2013, also 5,2 %-Punkte im Vergleich mit dem Ergebnis der vorherigen Bundestagswahl, ein nachvollziehbarer Schritt. Doch als die Sondierungsverhandlungen zu einem „Jamaikabündnis“ von Unionsparteien, FDP und Grünen scheiterten, wurde wieder an die SPD als Steigbügelhalter gedacht. Obwohl Schulz es – zumindest verbal – immer noch ablehnte, in die Regierung zu gehen mit den Unionsparteien, wirkte er wie ein Getriebener hinein in diese „Große“ (kleine) Koalition.
Auch wollte Schulz zunächst kein Ministeramt anstreben und überraschte doch die Öffentlichkeit und die einen „Personalkult“ treibenden Medien mit der Ankündigung, Außenminister zu werden. Der bisherige Außenminister Sigmar Gabriel, der dieses Amt doch allein deshalb ausüben wollte, um „näher bei seiner Familie sein zu können“ (was immer er damit meinte), wurde nicht gefragt, ob er weiterhin diese “Familienähe” ausüben wolle und äußerte sich unverblümt verärgert über seine Ablösung in der Öffentlichkeit.
Schulz, der schon sein Amt als Vorsitzender an Andrea Nahles, einer begrenzt begabten Sängerin von Kinderliedern, abgab, zieht also heute – nach dem Widerstand - wieder zurück. Und auch Andrea Nahles wird nicht für ihn singen. Wahrscheinlich werden die Geschichtsbücher über Martin Schulz folgendes urteilen: „Wie sich die SPD mit Hilfe eines einzigen Rohrkrepierers selbst entsorgte.“ Bis dahin aber, soviel ist sicher, wird die (Rest-)SPD noch für Unterhaltung sorgen.

Umfragedaten-Durchschnitt im Januar 2018: SPD fällt auf unter 20 % - Bericht und Kommentar

Monats-Umfrage(Januar_2018)_smallBerlin, 31.Januar/ 1. Februar 2018: Und wieder eine Hiobsbotschaft für die Funktionäre der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) – die Partei fällt im Durchschnitt aller 20 bundesweiten Umfragen, der sog. „Sonntagsfrage“, auf jetzt 19,4 %. Dabei fließen Daten vom FORSA- und INSA-Institut, wo die SPD zum Teil auf 17 % zurückgefallen ist, genauso ein wie Daten vom Allensbacher Institut für Demoskopie, wo die SPD immerhin bei 21 % liegt.
Dieser demoskopische Rückgang fällt zeitlich mit den Verhandlungen der SPD und der CDU/CSU über die erneute Bildung einer sog. „Großen Koalition“ (die so groß nicht mehr ist) zusammen. Die SPD ist dabei mehr auf Bestreben des sog. „Seeheimer Kreises“, der die eher konservativen Sozialdemokraten umfasst, sowie auch auf Wunsch des derzeitigen Bundespräsidenten Steinmeier den Verhandlungen über die erneute Regierungsbildung mit der CDU/CSU nachgekommen.
Der Bundesvorsitzende der Sozialdemokraten, Martin Schulz, hatte ursprünglich am Abend der Bundestagswahl, bei der die SPD auf nur noch 20,5 % gefallen ist, angekündigt, in die Opposition gehen zu wollen und die SPD einem Erneuerungsprozess zu unterziehen. Davon ist allerdings heute nicht mehr die Rede und offenbar sehen auch viele bislang bei der SPD (noch) verbliebene Anhänger diese Koalitionsbildung anders als z. B. der Seeheimer Kreis, der Bundespräsident und auch anders als viele Medien (insbesondere die öffentlich-rechtlichen).
Die Unionsparteien würden am Ende des ersten Monats 2018 nun bei 33,1 % liegen, wenn die Umfragen dann auch so zuträfen. Sie hätten sich, auch auf recht niedrigem Niveau, zumindest stabilisiert (+ 0,2 %-Punkte im Vergleich mit dem Bundestagswahlergebnis 2017). Drittstärkste Partei bliebe die AfD, die - laut der gemittelten Umfragedaten - genau wieder ihr Bundestagswahlergebnis (12,6 %) erzielt.
Die FDP würde ebenfalls relativ stark verlieren, sie käme jetzt auf 8,9 % (- 1,8 %-Pkte.), Gewinner wäre Bündnis 90/Die Grünen, die jetzt 11,1 % erreicht (+ 2,2 %-Punkte), sowie die LINKE, die auf durchschnittliche 10 % kommt (+ 0,8 %-Pkte.). Alle anderen Parteien erzielen laut Umfragedurchschnitt 4,9 % (- 0,3 %-Pkte.).
Die „Große Koalition“ aus Union und SPD hätten diesen Umfragedaten zufolge zusammen nur noch 52,5 %. Beurteilt man die Daten nach dem bekannten „Links-Rechts-Schema“, so erreichen die CDU/CSU, die AfD sowie die FDP zusammen 54,6 %, eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen würde auf 53 % kommen. SPD, Grüne und LINKE erzielen laut Umfragedurchschnitt 40,5 %. Bei der Bundestagswahl 1998, also vor 20 Jahren, kamen diese drei Parteien zusammen auf 52,7 %.
Die (mögliche) Mandatsverteilung, nach den gesetzlichen Grundmandaten (598 Sitze), zeigt dann folgendes auf: Die CDU/CSU würde 208 Mandate erzielen, die SPD 122, die AfD käme auf 79 Mandate, die FDP auf 56, die Grünen auf 70 und die LINKE könnte mit 63 Sitzen rechnen.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern um den Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten des gesamten Monats der Institute EMNID, Infratest-Dimap, INSA, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut, GMS und dem Institut für Demoskopie (Allensbach) ergibt.