Umfragedatendurchschnitt im Juli: Demoskopischer CDU/CSU-Höhenflug schwächelt etwas - Bericht und Kommentar

Monats-Umfrage(Juli_2020)_smallBerlin, 31. Juli/1. August 2020: Wie schon in den anderen Monaten erwähnt, sind der April, der Mai, der Juni und auch noch der Juli 2020 zu demoskopischen Erfolgsmonaten für die CDU/CSU geworden. Die Einschränkungen im Bereich der persönlichen Freiheit, die seit Beginn der „Covid-19-Pandemie“ im März eingeführt wurden, erfahren offenbar immer noch Zustimmung bei einer breiten Mehrheit der Bevölkerung. Und davon profitieren faktisch allein die Unionsparteien – massiv, während die SPD sich diesen Monat sogar wieder unterhalb von 15 % befindet.
Für die Medien ergibt sich dabei wieder das gewohnte Personalspiel „Wer wird was“. Wobei der Verlierer bei der bayerischen Landtagswahl von 2018, der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder, einigen Medien als „kanzlerabel“ zu gelten scheint. Nun, sollte die CDU und CSU tatsächlich von politischen Selbstmordabsichten beseelt sein, so kann sie ja den Medien, die offenbar von sich selbst der Meinung sind, nicht nur über Politiker zu berichten, sondern diese in bestimmte Ämter zu hieven, ja folgen. Aber zweimal (von zwei Kandidaturen) erlitten die Unionsparteien Niederlagen mit CSU-Kanzlerkandidaten, mit Franz-Josef Strauß im Jahr 1980 sowie 2002 mit Edmund Stoiber.
Die seit fast einem halben Jahr in Deutschland grassierende „Covid-19-Pandemie“ hatte zur Folge, dass die Unionsparteien, die im Februar und in der ersten März-Hälfte in der „Sonntagsfrage“ („Welche Partei werden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre?”) auf deutlich unterhalb der 30-%-Marke gefallen waren, nun im Juli-Durchschnitt auf 37,5 Prozent angestiegen sind.
Allerdings haben sich die demoskopischen Höhenflüge der CDU/CSU etwas abgeschwächt, während die Grünen wieder leicht zulegen können. Und vor allem: Der Anstieg in den Meinungsumfragen stellen keine Wahlergebnisse da. Ob die Union also wirklich um die 37 Prozent erreicht, ist längst nicht ausgemacht. Möglich? Ja durchaus, aber nicht unbedingt wahrscheinlich. Umfragen sind, dass vergessen so manche Medienvertreter ganz gern (oder auch aus kognitivem Unvermögen?), nun einmal keine Wahlergebnisse.
Die (inzwischen verstorbene?) SPD hat im Durchschnitt im Vergleich zum Juni 0,2 %-Punkte verloren, war zumindest zeitweise auch bei manchem Institut wieder vor Bündnis 90/Die Grünen liegend gewesen, steht aber mit insgesamt 14,8 Prozent ausgesprochen mager da. Sie würde etwa 5,7 %-Punkte im Vergleich zum Bundestagswahlergebnis von 2017 verlieren, während die Union um 4,6 %-Punkte zulegen würde. Die SPD liegt auch wieder rundweg hinter den Grünen.
Eben diese Partei, Bündnis 90/Die Grünen, kommt im Juli auf durchschnittliche 18,3%, was einen Zugewinn von 9,4 %-Punkte ausmachen würde, sie also ihren vorherigen Bundestagswahl-Anteil mehr als verdoppeln könnten. Die AfD würde zumindest dem Umfragedurchschnitt nach im Vergleich mit Bundestagswahlergebnis von 2017 um 2,5 %-Punkte auf jetzt 10,1 % zurückgehen.
Die LINKE wie auch die FDP gehören derzeit immer noch zu den demoskopischen Verlierern. Die LINKE würde auf ca. 7,6 Prozent und die FDP nur noch knapp über 5 % (5,9 %) kommen, also wie im Vormonat. Alle anderen Parteien erzielen zusammen rund 5,8 %.
Beurteilt man die Daten nach dem bekannten „Links-Rechts-Schema“, so erreichen die CDU/CSU, die AfD sowie die FDP zusammen 53,5 %, SPD, Grüne und LINKE erzielen laut Umfragedurchschnitt 40,7 %. Eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen würde auf 61,7 % kommen, eine – fiktive - Koalition von Union und Bündnis 90/Die Grünen erreicht 55,8 % und würde zusammen 354 Mandate erzielen. Unionsparteien und SPD kämen auf 52,3 % und 332 Mandate. Aber: es hätte auch eine CDU/CSU-geführte Koalition mit der AfD eine Mehrheit bei 47,6 % und 302 Bundestagssitze.
Die (mögliche) Mandatsverteilung auf der Basis der gesetzlichen Grundmandate (598 Sitze) zeigt dann folgendes auf: Die CDU/CSU würde 238 Mandate erzielen, die SPD 94, die AfD käme diesmal auf 64 Mandate, die FDP auf 38, die LINKE käme auf 48 Mandate und schließlich erreicht Bündnis 90/Die Grünen 116 Sitze.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern dem Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten eines gesamten Monats der Institute GMS, Kantar, Infratest-Dimap, INSA-Consulere, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut und dem Institut für Demoskopie (Allensbach) ergibt.