Umfragedurchschnitt im Juni: SPD fällt weiter zurück

Monatsumfrage(3006017)_kleinBerlin, 30. Juni/1. Juli 2017: Die für die SPD eindeutig verlorenen Landtagswahlen Anfang und Mitte Mai in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen hinterlassen auch im Juni (im Durchschnitt der Umfragen) ihre Spuren. So kommt die Partei nur noch auf durchschnittliche 24,2 %, im Vergleich mit dem Bundestagswahlergebnis 2013 hätte sie um 1,5 %-Punkte abgenommen (was ca. 5,7 % des damaligen Wahlergebnisses darstellen würde), aber vergleicht man wiederum die Umfragedaten im Februar und März mit dem Ergebnissen des Juni, so verliert die SPD geradezu massiv, über 6 %-Punkte.
Es stellt sich also die Frage, ob der Kanzler-Kandidat und SPD-Bundesvorsitzende Martin Schulz, der in eben den Monaten Februar und März, also nach dem Vorschlag für diese Ämter, überhaupt das Ergebnis der letzten Bundestagswahl erreichen kann. Mit 25,7 % lag die SPD 2013 gut 16 %-Punkte hinter der CDU/CSU, die auf 41,5 % gekommen war. Zeitweise erreichten die Sozialdemokraten – zumindest bei den Umfragedaten einiger Institute – mehr als die Unionsparteien.
Diese erzielen im Durchschnitt nun 38,6 %, liegen also wieder 14 %-Punkte vor der SPD. Die CDU/CSU würde zwar im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 2,9 %-Punkte verlieren (6,9 %), hat aber im Vergleich zu den Umfragedaten im Februar und März insgesamt 6 Punkte zugelegt, wobei das Gros der Gewinne im Mai stattgefunden hat.
Die FDP nun ist eine weitere Gewinnerin bei den Umfragedaten, allerdings nicht mehr so stark wie im Vormonat. Derzeit kann sie, im Vergleich mit dem Umfragedurchschnitt im Mai, nur um 0,5 %-Punkte zulegen auf jetzt durchschnittlich 8,4 % (+ 3,6 %-Punkte im Vergleich zu 2013). Auch bei ihr spielen die recht hohen Landtagswahlergebnisse im Mai in beiden Ländern jeweils deutlich oberhalb der 10-%-Marke, eine Rolle. Man erkennt also bei den bislang drei genannten Parteien auch eine Art „Trittbrettfahrer“-Effekt („Bandwagon Effect“).
Wie sich die Wählerinnen und Wähler von Bündnis 90/Die Grünen bei der Bundestagswahl verhalten werden, ist derzeit recht unklar, auch diese Partei ist vom Trittbrettfahrereffekt betroffen. Derzeit erreichen die Grünen etwa 7,5 % im Durchschnitt der Umfragen, zwar wäre das ein Verlust von 0,9 %-Punkte (zu 2013), aber ein Ergebnis oberhalb von 5 % ist dennoch zu erwarten.
Die LINKE kommt im Umfragedurchschnitt nun auf 9,1 %, also rund 0,5 %-Punkte mehr als beim Bundestagswahlergebnis von 2013. Dennoch scheint die LINKE derzeit wieder von der Konfusion innerhalb der SPD und ihres Kanzlerkandidaten bzw. dem schlechten Abschneiden der Sozialdemokraten zu profitieren und verfestigt sich weiterhin.
Die AfD, die bei den Landtagswahlen des Jahres 2016 sehr hohe Stimmenanteile einfuhr und auch im Durchschnitt der Umfragedaten noch im Januar 2017 auf 12,7 % gekommen war, ist nun schon zum fünften Mal in Folge abgerutscht und erreicht durchschnittliche 7,8 %. Die Frage stellt sich demnach immer mehr, ob diese Partei im Herbst, also in rund zweieinhalb Monaten, bei der Bundestagswahl die 5 %-Klausel überspringen kann oder erneut scheitert. Bislang hat es noch nie eine rechtsextreme Partei in das deutsche Zentralparlament geschafft.
Alle anderen Parteien erreichen in diesem Monat 4,4 %. In %-Anteile der (Zweit-)Stimmen und unter Berücksichtigung der politischen „Lager“, hätten die CDU/CSU und die FDP zusammen 47,0 %. Mit der AfD würden die bürgerlichen Parteien 54,8 Prozent erzielen, Union und AfD bekommen im April zusammen 46,4 Prozent. Die LINKE, Bündnis 90/Die Grünen und die SPD erhalten in diesem Monat zusammen 40,8 %, 1,9 Prozentpunkte weniger als bei der Bundestagswahl im September 2013.
Rechnet man nun diese (vermuteten) Ergebnisse in Parlamentsmandate um, wobei hier keine (möglichen) Überhang- und Ausgleichsmandate mit einbezogen sind, sondern nur die Anzahl der gesetzlich vorgeschriebenen 598 Bundestagsmandate die Grundlage darstellen, hätte die LINKE 57 Sitze, die Grünen 47, die SPD käme nun auf 151 Sitze, die CDU/CSU erreicht 241 Mandate, die FDP kommt auf 53 Mandate sowie die AfD auf 49.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern um den Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten des gesamten Monats der Institute EMNID, Infratest-Dimap, INSA, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut und dem Institut für Demoskopie(Allensbach) sowie GMS ergibt.