Trend bei der EU-Wahl zeigt sich im Juni auch im Umfragedurchschnitt: Grüne knapp auf dem ersten Rang

Monats-Umfrage(Juni_2019)_kleinBerlin, 1. Juli 2019: Im Durchschnitt der Umfragedaten (Bundestag) im Monat Juni 2019 von allen sieben führenden Meinungsforschungsinstituten kommen CDU und CSU dieses Mal zusammen auf nur noch 25,8 Prozent. Zugrunde liegt diesem Wert der Durchschnittswert der neunzehn veröffentlichten Umfragen („Sonntagsfrage Wahlabsicht“) des Monats: Demnach würden die Unionsparteien im Vergleich mit dem Ergebnis der Bundestagswahl (2017) 7,1 %-Punkte einbüßen. Ihre Koalitionspartnerin auf Bundesebene, die SPD, erzielt im Mittel der Umfragedaten sehr niedrige 12,5 %, sie würde bei einem solchen Wahlergebnis sogar 8 %-Punkte verlieren und auf dem vierten Platz im Parteienranking landen, knapp hinter der AfD.
Die Partei Bündnis 90/Die Grünen ist nun etwas mehr als doppelt so stark wie die SPD, allerdings resultiert dieser vermeintliche „Überflug“ - wie schon oft festgestellt - eher aus dem innerhalb einer Zwischenperiode der Wahltermine für die Bundestagswahl so genannten „Oppositionseffekt“. Zudem haben die Grünen schon manche demoskopischen „Höhenflüge“ erlebt, um dann bei der jeweiligen Bundestagswahl auf dem Boden der Tatsachen zu landen. Dennoch erreichen sie in diesem Juni stattliche 26,0 %, was einen fiktiven Zugewinn von 17,1 %-Punkte bedeuten würde. Die Grünen würden im Vergleich mit dem Ergebnis der Bundestagswahl 2017 fast 112 % zulegen. Zudem wären sie mit einem solchen Ergebnis knapp vor der CDU/CSU - zumindest jetzt - stärkste politische Partei.
Auch die AfD hatte, vor allem kurz nach der Bundestagswahl, einen demoskopischen Aufschwung erlebt, derzeit aber liegt sie im Mittel noch bei 12,8 %, 0,3 %-Punkte vor der SPD und 0,2 %-Punkte über ihrem letztmaligen Bundestagswahlergebnis. Wie sich diese rechtspopulistische Partei entwickeln wird, bleibt weiter abzuwarten. Insgesamt gesehen konnte sie aber bei einer Bundestagswahl zumindest wieder ihr Ergebnis von 2017 (12,6 %) erzielen, dafür spricht auch ihr weitgehend gleichmäßiges Abschneiden im Umfragedurchschnitt.
Die FDP wie auch die LINKE liegen unterhalb von 10 % in den Umfragedaten: die FDP kommt derzeit auf 8,1 % (- 2,6 %-Pkte.), die LINKE liegt mit 7,8 % (- 1,4 %-Pkte.) nunmehr auf dem sechsten Platz. Der Umfragedurchschnitt spricht dafür, dass diese beiden Partei mit ähnlichen Ergebnissen wie bei der Bundestagswahl 2017 im kommenden Bundestag einziehen könnten. Alle anderen Parteien erzielen insgesamt 7,0 % (+ 1,8 %-Punkte). Hierbei wie auch beim Aufschwung der Grünen liegt wohl auch deren Abschneiden bei der letzten EU-Wahl zugrunde. Die „Sonstigen Parteien“, also jene politischen Organisationen, die zum Teil in den Landesparlamenten sitzen, aber eben nicht im Bundestag und die schon bei den regionalen Urnengängen in Bayern und Berlin beispielsweise recht stark abschnitten, erzielten bei der EU-Wahl im Mai 12,9 %.
Beurteilt man die Daten nach dem bekannten „Links-Rechts-Schema“, so erreichen die CDU/CSU, die AfD sowie die FDP zusammen 46,7 %, SPD, Grüne und LINKE erzielen laut Umfragedurchschnitt 46,3 %. Eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen würde auf 59,9 % kommen, eine – fiktive - Koalition von Union und Bündnis 90/Die Grünen erreicht 51,8 % und könnte zusammen 300 der 598 Mandate erzielen. Die (mögliche) Mandatsverteilung auf der Basis der gesetzlichen Grundmandate (598 Sitze) zeigt dann folgendes auf: Die CDU/CSU würde 166 Mandate erzielen, die SPD 81, die AfD käme auf 82 Mandate, die FDP auf 52, die Grünen auf 167 und die LINKE könnte mit 50 Sitzen rechnen.
Kommentar: Der Überflug der Grünen ist wohl kaum „selbst“ gemacht, sondern resultiert eher aus den ihnen sehr gewogenen öffentlich-rechtlichen Medien, die bei Kommentierungen der Politik der großen Koalition meist einen Politiker oder eine Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen als „Meinung der Opposition im Bundestag“ gegenüberstellen. Und das, obwohl die Partei rein rechnerisch die kleinste Partei im Bundestag (auf der Basis des letzten Bundestagswahlergebnisses) ist. Vor allem die Vertreter der LINKEN, aber auch der AfD werden kaum zu Wort gebeten. Außerdem ist hinlänglich bekannt, dass sich der weitaus größte Teil der Bevölkerung immer noch aus den Angeboten der ARD und dem ZDF her informiert. Der Eindruck entsteht hierbei, als wären die Grünen die eigentliche Opposition.
Zudem kann sich Bündnis 90/Die Grünen auch bei dem Vorsitzenden der FDP, Christian Lindner, für ihre Erfolge bedanken. Er war es schließlich, der die Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer Zusammenarbeit von CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen abbrach und die SPD dann - erneut - der Partner der Union wurde, mit den bekannten Folgen für die Sozialdemokraten. Spekulativ bliebe das Abschneiden der Grünen schon, wäre die „Jamaika-Koalition“ tatsächlich gebildet worden. Zweifelhaft aber wäre es, ob die Grünen wirklich - wie jetzt - bei durchschnittlichen 26 % lägen und nicht etwa bei 6 (?) %.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern um den Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten eines gesamten Monats der Institute EMNID, Infratest-Dimap, INSA, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut, GMS, und dem Institut für Demoskopie (Allensbach) ergibt.