Umfragedaten im Oktober 2018: Massiver Einbruch bei CDU/CSU und SPD - Bericht und Kommentierung

Monats-Umfrage(Oktober_2018)_kleinBerlin, 31. Oktober/1. November 2018: Während die CDU/CSU wie auch die SPD im Monatsdurchschnitt des Oktober 2018 weiterhin – demoskopisch - straucheln, stabilisieren sich die Umfragedaten für Bündnis 90/Die Grünen wie auch der AfD erneut auf recht hohem Niveau.
Demnach kommen die Unionsparteien wie auch die SPD in den Umfragen wiederkehrend auf Tiefstwerte. Es errechnet sich für die Union ein Durchschnittswert von nur noch 26,4 %. Damit liegen CDU und CSU gemeinsam 4,6 Prozentpunkte unterhalb ihres bislang niedrigstem Ergebnis von 1949 - immerhin der ersten Bundestagswahl überhaupt - sowie auf dem niedrigstem Stand bei den monatlichen Umfragedaten. Zudem sind beide Parteien gut 6,5 %-Punkte von dem Ergebnis von 2017 entfernt, was einen (fiktiven) Verlust von nahezu 20 % ihrer damaligen Wählerschaft betragen würde. Voraussetzung: Die Höhe der Wahlbeteiligung bliebe in etwa der Wbt. der BtW 2017.
Nicht viel besser ergeht es ihrer Koalitionspartnerin SPD, die seit ihrer Entscheidung, wieder mit der CDU/CSU auf Bundesebene eine Koalition zu bilden, dauerhaft unterhalb von 20 % liegt. In den Umfragen mancher Institute liegt sie nur noch bei ca. 14 %, Tendenz: weiter fallend. Derzeit sind es nur 15,4 % insgesamt und ist somit mehr als 5 %-Punkte unterhalb ihres Ergebnisses von 2017 und sogar rund 14 %-Punkte niedriger als 1949. Die Sozialdemokraten haben sich endgültig aus dem Parteiensystem als ehemals „große Volkspartei“ verabschiedet.
Dabei ist es interessant, dass die beiden Landtagswahlen im Oktober – Bayern am 14. Oktober und Hessen am 28. Oktober – das „Elend“ der beiden ehemaligen Volksparteien noch verstärken. Der Begriff „Volkspartei“ für die CDU, CSU und der SPD nicht mehr angebracht, wenn sie Ergebnisse von 27 % in Hessen (CDU) oder 9,7 % in Bayern (SPD) erzielen, vor allem, wenn die Parteiführungen scheinbar so weitermachen, wie bislang.
Die Mitgliederzahl der genannten Parteien ist, zweitens, ebenfalls stark rückläufig, allenfalls die CSU kann sich noch einer vergleichsweise hohen Mitgliederzahl erfreuen, auch wenn sie ebenfalls Einbußen hinnehmen musste. Zudem zeigen beide Landtagswahlen eine „Veralterung“ ihrer Wählerschaft, oder anders gesagt: Eine Abwendung junger Menschen von der CDU/CSU und SPD ist deutlich geworden. Ob es sich nur um ein - bei Landtagswahlen - dem Oppositionseffekt innewohnenden Verhalten handelt oder sich dieser Trend verfestigt, bleibt daher abzuwarten.
Die AfD (16,0 %) bleibt auch im zurückliegenden Monat relativ stark auf dem dritten Platz im Parteienranking, wird aber von Bündnis 90/Die Grünen erstmals in den Monatsumfragedaten hinter sich gelassen. Offenbar resultiert die derzeitige demoskopische Stärke der AfD nach wie vor daraus, dass sie – immer noch - als „System-Opposition“ wahrgenommen wird. Wie sich ihre demoskopische Stärke in Zukunft entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Zudem steigen die Umfrageanteile der AfD nicht mehr so stark, wie nach der Bundestagswahl. Die CDU-Bundesvorsitzende und Bundeskanzlerin Merkel entschied sich zudem nach den hohen Verlusten ihrer Partei bei der hessischen Landtagswahl bekannt zu geben, dass sie nicht wieder für den CDU-Bundesvorsitz kandidieren will. Falls z. B. Friedrich Merz - einer der bislang drei Kandidaten und der schon einmal Unionsfraktionsvorsitzender im Bundestag gewesen ist und zudem für eine deutlich konservativere Einstellung steht - auch zum Bundesvorsitzenden der CDU gewählt wird, kann sich, aber muss nicht, der Trend zugunsten der AfD wieder abschwächen. Allerdings: Die Frage ist, ob die Wählerinnen und Wähler der AfD der CDU abnehmen werden, dass sie einerseits einen konservativeren Bundesvorsitzenden hat, aber sich an der Grundposition in der politischen Haltung der CDU nichts ändert.
Die FDP kommt in diesen Monat auf 9,4 % (- 1,3 %-Pkte.), eindeutige Gewinner wäre auch im Oktober erneut Bündnis 90/Die Grünen, welche jetzt 18 % erreichen (+ 9,1 %-Punkte). Sie verdoppeln faktisch ihren Anteil der letzten Bundestagswahl (+ 101,9 %). Die Grünen stehen (im Parteiensystem) der AfD – beide als Oppositionsparteien auf Bundesebene – in Punkto multikulturelle Gesellschaft vs. nationalistisch eingestellte Gesellschaft diametral gegenüber: Zugewinne bei der AfD scheinen sich auch in Zugewinnen für die Grünen - und umgekehrt - niederzuschlagen.
Angemerkt bleibt aber dieses: Die Grünen haben recht häufig innerhalb der Legislaturperioden (Bundestag) bei den Umfragen und Zwischenwahlen hoch abgeschnitten, so z. B. 2011, 2016 und jetzt wieder. Bei den jeweils darauf folgenden Bundestagswahlen schnitten sie dann deutlich niedriger ab. Deren demoskopische Entwicklung bleibt also abzuwarten, auch wenn sie derzeit deutlich wählerstärker sind als die SPD.
Die LINKE, die durchschnittliche 10,1 % erzielt, könnte im Vergleich mit dem Bundestagswahlergebnis in den Umfragen 0,9 Prozent-Pkte. hinzugewinnen. Alle anderen Parteien erzielen laut Umfragedurchschnitt 4,7 % (- 0,5 %-Pkte.).
Beurteilt man die Daten nach dem bekannten „Links-Rechts-Schema“, so erreichen die CDU/CSU, die AfD sowie die FDP zusammen 51,8 %, SPD, Grüne und LINKE erzielen laut Umfragedurchschnitt 43,5 %. Eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen würde auf 53,8 % kommen. Die (mögliche) Mandatsverteilung auf der Basis der gesetzlichen Grundmandate (598 Sitze) zeigt dann folgendes auf: Die CDU/CSU würde 166 Mandate erzielen, die SPD 97, die AfD käme auf 100 Mandate, die FDP auf 59, die Grünen auf 113 und die LINKE könnte mit 63 Sitzen rechnen.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern um den Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten des gesamten Monats der Institute EMNID, Infratest-Dimap, INSA, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut, GMS und dem Institut für Demoskopie (Allensbach) ergibt.