Umfragedaten mit gleichen und unterschiedlichen Werten – Bericht und Kommentar

Vergleichs-Umfrage(16-180618)_kleinBerlin, 19. Juni 2018: Am vergangenen Wochenende (16. und 17. Juni) bzw. am Montag (18. Juni 2018) veröffentlichten die Institute FORSA, EMNID und INSA ihre Umfragedaten zur sonntäglichen Wahlabsicht („Sonntagsfrage“). Während EMNID laut eigener Angaben ihre Daten zwischen dem 7. und 16. Juni ermittelt hatte, war das bei FORSA zwischen dem 14. und 15. Juni, INSA hatte seine Daten zwischen dem 15. bis 18. Juni erhoben.
Und dabei zeigte es sich, dass z. B. INSA und FORSA bei der Aussage über die Wahlaussichten für die CDU/CSU mit 29 bzw. 30 Prozent sowie deren massive Rückgänge im Vergleich mit dem Bundestagswahlergebnis ( - 3 bis – 4 %-Punkte) recht nahe beieinander gelegen hatten. EMNID ermittelte mit 33 % für die Union ein Ergebnis nahe beim Ergebnis der letzten Bundestagswahl. Die SPD lag bei INSA nur 1,5 %-Punkte entfernt vom Bundestagswahlergebnis, FORSA gab den Sozialdemokraten nur 16 % (mit einem „Rückgang“ bei seinen Umfragedaten von 2 %-Punkten), EMNID ermittelte 18 % für die SPD.
Interessant ist es, wie unterschiedlich Bündnis 90/Die Grünen abschneiden: Bei FORSA werden sie bei 14 % gesehen, schwächer schneiden sie mit jeweils 11 % bei EMNID und INSA ab. Die LINKE erreicht bei FORSA nur 9 %, bei EMNID 11, somit gleichauf mit den GRÜNEN und ist stärker als diese bei INSA mit 12 %. Die FDP erzielt bei diesem Umfragedatenvergleich bei INSA und EMNID nur 8 %, bei FORSA bekommt sie 10. Lediglich die AfD ist mit 15 bzw. 16 % relativ gleichbleibend.
Die Frage ist aber, weswegen die Institute so derart unterschiedliche Daten ermittelt haben, wahrscheinlich spielt der Zeitfaktor eine Rolle? Oder handelt es sich um die Anzahl der Befragten? Zumindest EMNID und INSA haben mit über 2000 Befragten relativ gleiche Werte, FORSA befragte nur rund 1000 Personen. Aber dann erklärt es sich nicht, weshalb FORSA und INSA wiederum in den Grundaussagen betreffs der Ergebnisse für die Union nahezu gleichauf liegen, bei der SPD aber massive Unterschiede aufzeigen.
Evtl. ist es doch der Befragungszeitraum, denn EMNID erhob seine Daten, bevor der Streit innerhalb der Union – zwischen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – um die Flüchtlingspolitik richtig Fahrt aufnahm. Aber hier wiederum widersprechen sich dann die Daten von INSA und FORSA bezüglich der SPD, denn bei INSA zog sie an, bei FORSA fiel sie, wie erwähnt, um 2 %-Punkte im Vergleich mit der vorherigen Umfrage. Zudem liegen wiederum EMNID und INSA gleichauf bei den Grünen (jeweils 11 %) und der FDP (jeweils 8 %).
Dieser Vergleich soll dazu dienen, Umfragedaten erst einmal als Momentausnahmen zu begreifen und nicht als prognostizierte Wahlergebnisse, auch wenn das Erfurter INSA-Institut bei der letzten Bundestagswahl am realen Ergebnis am nächsten dran gelegen hatte. Aber höchst unterschiedlich sind Umfragen allemal, wie nur diese drei Erhebungen zeigen. Daher gibt es nicht „nur“ den einen Grund für das „auf und ab“ der Parteien. Ganz im Gegensatz dazu, wie dann die diese Umfragen bezahlenden Medien oft behaupten..

Umfragedurchschnitt im Mai 2018: SPD befindet sich auf weiterer Talfahrt

Monats-Umfrage(Mai_2018)_kleinBerlin, 31. Mai 2018: Die SPD befindet sich weiterhin im Durchschnitt aller 17 bundesweiten Umfragen, der sog. „Sonntagsfrage“, auf niedrigem Niveau, nämlich bei 17,5 % (- 3,0 %-Punkte im Vergleich mit dem Bundestagswahlergebnis). Dabei fließen die Daten aller 7 führenden Meinungsforschungsinstitute in diese Berechnung ein. Die Sozialdemokraten kommen demnach zusammen mit den Unionsparteien, die in diesen Monat im Umfragedurchschnitt 33,1 % (+ 0,2 %-Punkte) erreichen, auf 50,6 %. Vor einem Jahr erzielten beide Parteien zusammen im Umfragedurchschnitt 63,6 % (CDU/CSU: 36,8 %, SPD: 26,8 %). Die SPD kam im Mai bei den Umfragen zum Teil nur auf 16 % (GMS), das Allensbacher Institut für Demoskopie sah die Sozialdemokraten immerhin, wie auch die Forschungsgruppe Wahlen, zur Monatsmitte bei 20 %
Drittstärkste Partei bliebe die AfD (14,0 %), die - laut der gemittelten Umfragedaten - 1,4 %-Punkte mehr als bei der Bundestagswahl erzielen würde. Offenbar resultiert die derzeitige demoskopische Stärke der AfD nach wie vor weniger aus ihren Themen, sondern eher daraus, dass sie als „einzige System-Opposition“ wahrgenommen wird.
Die FDP fällt in diesen Monat auf 8,4 % (- 2,3 %-Pkte.), eindeutige Gewinner wäre auch im Mai wieder Bündnis 90/Die Grünen, welche jetzt 12,1 Prozent erreichen (+ 3,2 %-Punkte). Die LINKE, die durchschnittliche 10,1 % erreicht, könnte im Vergleich mit dem Bundestagswahlergebnis in den Umfragen zumindest 0,9 %-Pkte. hinzu gewinnen. Alle anderen Parteien erzielen laut Umfragedurchschnitt 4,8 % (- 0,4 %-Pkte.).
Beurteilt man die Daten nach dem bekannten „Links-Rechts-Schema“, so erreichen die CDU/CSU, die AfD sowie die FDP zusammen 55,5 %, eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen würde auf 53,6 % kommen. SPD, Grüne und LINKE erzielen laut Umfragedurchschnitt 39,7 %. Die (mögliche) Mandatsverteilung nach den gesetzlichen Grundmandaten (598 Sitze) zeigt dann folgendes auf: Die CDU/CSU würde 208 Mandate erzielen, die SPD 110, die AfD käme auf 88 Mandate, die FDP auf 53, die Grünen auf 76 und die LINKE könnte mit 63 Sitzen rechnen.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern um den Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten des gesamten Monats der Institute EMNID, Infratest-Dimap, INSA, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut, GMS und dem Institut für Demoskopie (Allensbach) ergibt.