EMNID und FORSA - Höchst unterschiedliche Umfragedaten am gleichen Tag: Bericht und Kommentar

EMNID-Umfrage(081219)_kleinBerlin, 8. Dezember 2019: Wenn man sich die gestern veröffentlichten Umfragen („Sonntagsfrage“) der Institute EMNID (erhoben zwischen 28. November und dem 4. Dezember) sowie FORSA (erhoben zwischen 2. Dezember und dem 6. Dezember) ansieht, so erstaunt doch wieder das unterschiedliche Abschneiden der Parteien, insbesondere der SPD. Diese wird von EMNID mit bestehenden 16 % ausgewiesen, also genauso wenig, wie in der Woche davor. Bei FORSA hingegen erreicht die SPD in dieser Woche nur 11 %. Die CDU/CSU bleibt bei jeweils 28 %, Bündnis 90/Die Grünen kommen bei FORSA auf 22 %, bei EMNID auf 20 Prozent. LINKE und FORSA-Umfrage(071219)_kleinFDP sind bei beiden Instituten mit gleichen Werten ausgestattet (9 und 8 %). Lediglich die AfD ist leicht unterschiedlich (FORSA: 14 %, EMNID: 13 %).
Jetzt stellt sich wieder einmal die Frage, weshalb die SPD - bei FORSA - im Vergleich mit den Daten desselben Instituts nur eine Woche zuvor, angeblich um 3 %-Punkten „zurückgeht“. Dankenswerterweise liefert der zum Bertelsmann-Konzern gehörende Nachrichtensender N-TV wieder die „mund- und schreibgerechte passende Erklärung“ für die deutsche Journalistenschar, Zitat: „Mit der neuen Parteispitze aus Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sackt die SPD im RTL/n-tv Trendbarometer um drei Prozentpunkte ab.
Jetzt wissen wir es also mal wieder, denn die Bertelsmann-Medien liefern die Erklärung: Es sind die neuen Vorsitzenden der SPD, die sollen demnach Schuld an den nur noch 11 % sein.
Die Frage aber stellt sich, wie kommt (bislang) allein FORSA auf derartige Werte? Denn auch z. B. bei Infratest-Dimap (erhoben zwischen 2. Dezember und dem 6. Dezember) erzielt die SPD ein ebenfalls - mageres - Ergebnis mit 13 %, sowie einem Minus gegenüber der Umfrage davor von 2 %-Punkten. Dennoch dient diesem Institut das neue Führungsduo der SPD, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken, nicht als Erklärung für diesen vermeintlichen Rückgang.
All das ficht die Bertelsmann-Medien, die schon lange für eine Koalition von CDU/CSU und Grünen werben, nicht an. Zudem waren die „Bertelsmänner“, zu denen eben RTL, plus Nebensender, N-TV, STERN, SPIEGEL und ZEIT gehören, in den letzten Jahren wenig zimperlich, unter Zuhilfenahme ihrer Medienpräsenz der SPD ihr Führungspersonal sozusagen „aufzudrücken“. Und vor diesem Licht erscheinen die 11 % bei FORSA zwar als Erklärung aber auch als fragwürdig.

Umfragedurchschnitt im November: CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen sinken etwas ab

Monats-Umfrage(November_2019)_kleinBerlin, 1. Dezember 2019: Im Durchschnitt der Umfragedaten (Bundestag) im Monat November 2019 aller sieben Meinungsforschungsinstitute kommen CDU und CSU zusammen auf 26,6 %. Zugrunde liegt diesem Wert der Durchschnitt der 21 veröffentlichten Umfragen („Sonntagsfrage Wahlabsicht“) des zurückliegenden Monats: Demnach würden die Unionsparteien im Vergleich mit dem Ergebnis der Bundestagswahl (2017) 6,3 %-Punkte einbüßen. Ihre Koalitionspartnerin auf Bundesebene, die SPD, erzielt im Mittel der Umfragedaten nur 14,4 %, sie würde bei einem solchen Wahlergebnis 6,1 %-Punkte verlieren und im November auf dem dritten Platz im Parteienranking landen, vor der AfD.
Die Partei Bündnis 90/Die Grünen erreicht in diesem November immer noch 20,8 %, was einen fiktiven Zugewinn von 11,9 %-Punkte bedeuten würde. Dennoch gehen die hohen Anteile bei den Grünen, als sie im Juni – im Nachhall der EU-Wahl – bundesweit auf 26 % gekommen waren und auch die Union überflügelten, stetig zurück. Der „Bandwagon-Effect“ für die Grünen lässt also stetig nach. Und die im Oktober durchgeführte Landtagswahl in Thüringen unterstreicht dieses eindeutig.
Die AfD hatte vor allem kurz nach der Bundestagswahl einen demoskopischen Aufschwung erlebt, derzeit aber liegt sie im Mittel noch bei 14,0 %, 1,4 %-Punkte über ihrem letztmaligen Bundestagswahlergebnis. Wie sich diese rechtspopulistische Partei entwickeln wird, bleibt weiter abzuwarten.
Die FDP liegt wieder über 8 % und verlöre 2,6 %-Pkte., die LINKE kommt derzeit auf 9,5 % (+ 0,3 %-Pkte.). Der Umfragedurchschnitt spricht dafür, dass diese beiden Partei mit ähnlichen Ergebnissen im kommenden Bundestag einziehen könnten. Alle anderen Parteien erzielen insgesamt 6,6 % (+ 1,4 %-Punkte).
Beurteilt man die Daten nach dem bekannten „Links-Rechts-Schema“, so erreichen die CDU/CSU, die AfD sowie die FDP zusammen 48,7 %, SPD, Grüne und LINKE erzielen laut Umfragedurchschnitt 44,7 %. Eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen würde auf 55,5 % kommen, eine – fiktive - Koalition von Union und Bündnis 90/Die Grünen erreicht 47,4 % und könnte zusammen 303 Mandate erzielen. Die (mögliche) Mandatsverteilung auf der Basis der gesetzlichen Grundmandate (598 Sitze) zeigt dann folgendes auf: Die CDU/CSU würde 170 Mandate erzielen, die SPD 92, die AfD käme diesmal auf 90 Mandate, die FDP auf 52, die Grünen auf 133 und die LINKE könnte mit 61 Sitzen rechnen.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern dem Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten eines gesamten Monats der Institute EMNID, Infratest-Dimap, INSA, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut und dem Institut für Demoskopie (Allensbach), sowie YouGov ergibt.