Landtagswahl in Bayern - Bericht und Kommentar

Bayern(LtW_2018)_kleinMünchen, 15. Oktober 2018: Wirkliche Überraschungen brachte die Landtagswahl in Bayern nicht, lediglich die CSU schloss den Wahltag deutlich stärker ab, als es ihr die Umfragen vorhersagten. Und auch bei der SPD irrten die Auguren: Sie fiel auf ein Ergebnis unterhalb von 10 % auf 9,7 % und unterbot das Wahlergebnis der sächsischen Genossinnen und Genossen von 2004 um 0,1 %-Punkt.
Bündnis 90/Die Grünen legten deutlich zu auf über 17 % und auch die „Freien Wähler“ erzielten mehr als 10 % (11,6 %).Die AfD liegt nun erstmalig bei 10,2 % und kommt in den Landtag, wie auch FDP, die mit 5,1 % die Hälfte der AfD-Stimmenanteile erzielt, aber wieder einzieht..
Da die CSU immerhin 85 der insgesamt 91 Direktmandate (Stimmkreise) gewinnen konnte, erhöht sich die Mandatszahl im Landtag von 180 auf 205 Sitze. AfD und SPD haben davon jeweils 22, die Freien Wähler 27, die FDP 11 und Bündnis 90/Die Grünen, die sich während des Wahlkampfes der bayerischen CSU andienten, kommen auf 38 Sitze.
Am 14. Oktober 1990 fand in diesem Bundesland ebenfalls eine Landtagswahl statt, damals errang die CSU (mit dem Spitzenkandidaten Max Streibl) 54,6 %, die SPD erzielte 26 %.
CSU und SPD haben bei der aktuellen Abstimmung ihre niedrigsten Ergebnisse bei den jüngsten Altersgruppen erzielt. Die SPD kam in der Gruppe der 18 bis 44-jährigen auf 7 %, immerhin noch deutlich oberhalb der 5-%-Hürde. Die CSU ist in der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren mit 27 % fast viermal so erfolgreich, wie die SPD. Hier büßt sie, wie in der darauffolgenden Altersgruppe (25 34 Jahren) 13 %-Punkte ein, und damit erleidet sie auch die höchsten Verluste aller Altersgruppen.
Die SPD verlor in nahezu alle Richtungen (laut Infratest-Dimap-Wählerwanderungsbilanz): Immerhin sollen es auf der Basis der besagten Wählerwanderungsbilanz im Saldo ein Verlust von 200000 Stimmen von der SPD an die Grünen und 100000 an die CSU gegangen sein. Letztgenannte konnte sich auch aus dem „Pool“ der bisherigen Nichtwähler mit rund 270000 Stimmen (im Saldo) bedienen.
Insgesamt gesehen scheint die „große Zeit“ der Volksparteien zu Ende zu gehen. Die Frage ist nicht, ob sich das in Hessen fortsetzt, sondern in welcher Höhe. Zwei Wochen darf noch spekuliert werden.

Interessante Ergebnisse bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen sind zu erwarten

Bayern(051018)_kleinMünchen, Wiesbaden, 5. Oktober 2018: Den letzten Meinungsumfragen zufolge dürften die kommenden Landtagswahlen in Bayern (14. Oktober) und in Hessen (28. Oktober) recht interessant ausgehen.
In Bayern erwartet den Umfragen zufolge die seit 1962 (bis auf die Jahre zwischen 2008 und 2013) allein regierende CSU wohl eine krachende Niederlage, denn sie wird den Erhebnungen zufolge nur noch zwischen 33 und 35 % gesehen. Allerdings wäre die SPD, die in Bayern seit langem keine nennenwerte Rolle spielt, über ein Erreichen derartiger Werte hoch erfreut. Nur leider wird sie nur noch bei Werten zwischen 11 und 13 % taxiert, ein erdrutschartiger Rückgang, nachdem sie 2013 immerhin 20,6 % erreichte. Bündnis 90/Die Grünen erleben in den Umfragen auch in Bayern einen Höhenflug, sie kommen auf ca. 18 %, was eine Verdopplung ihre bisherigen Stimmenanteils bedeuten würde. Zudem spielen noch die AfD, die Freien Wähler sowie die FDP eine Rolle, wenn es um die Verteilung von Landtagsmandaten geht, denn die beiden erstgenannten erzielen Umfrageergebnisse von rund 10 %, die FDP käme auf etwas mehr als 5 %.
Hessen(031018)_kleinIn Hessen regiert seit der Landtagswahl 2013 eine Koalition aus CDU und Grünen. Auch in diesem Bundesland dürften die CDU und SPD wohl mit massiven Stimmeneinbußen rechnen, während AfD und Grüne zu den Gewinnern zu zählen wären. Eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen zufolge würde die AfD ca. 13 % erreichen, die Grünen kommen auf 18 %. Die CDU läge bei 29 %, die SPD nur noch bei 23 %. Die LINKE kommt in der Umfrage auf 8 %, die FDP liegt bei 6 %, alle anderen Parteien erzielen 3 %.
Damit scheinen die eigentlichen Wahlgewinner und –verlierer schon festzustehen, in den Prozentanteilen düfte es lediglich noch Verschiebungen geben. In Hessen wird - wie oben erwähnt - zwei Wochen nach Bayern gewählt und das Landtagswahlergebnis im größten Flächenland von Deutschland dürfte sich in Hessen danach deutlicher darstellen.

Umfragendurchschnitt im September zeigt weiteren Rückgang bei Union und SPD: Bericht und Kommentar

Monats-Umfrage(September_2018)_kleinBerlin, 30. September /1. Oktober 2018: Während die CDU/CSU wie auch die SPD im Monatsdurchschnitt des September 2018 weiterhin – demoskopisch - straucheln, stabilisieren sich die Umfragedaten für Bündnis 90/Die Grünen wie auch der AfD weiterhin auf recht hohem Niveau.
Demnach kommen Union wie auch die SPD in den Umfragen wieder auf Tiefstwerte. Es errechnet sich für die Union ein Durchschnittswert von nur noch 28,7 %. Damit liegen CDU und CSU gemeinsam genau 2,3 Prozentpunkte unterhalb ihres bislang niedrigstem Ergebnis von 1949 - immerhin der ersten Bundestagswahl überhaupt - sowie auf dem niedrigstem Stand bei den monatlichen Umfragedaten. Zudem sind beide Parteien gut 4,2 %-Punkte von dem Ergebnis von 2017 entfernt, was einen (fiktiven) Verlust von nahezu 13 % ihrer damaligen Wählerschaft betragen würde. Voraussetzung: Die Wahlbeteiligung bliebe in etwa der Höhe der BtW 2017.
Nicht viel besser ergeht es ihrer Koalitionspartnerin SPD, die seit ihrer Entscheidung, wieder mit der CDU/CSU auf Bundesebene eine Koalition zu bilden, dauerhaft unterhalb von 20 % liegt. Derzeit sind es nur 17,2 % insgesamt und ist somit mehr als 3 %-Punkte unterhalb ihres Ergebnisses von 2017 und sogar rund 12 %-Punkte niedriger als 1949. Die Sozialdemokraten sind dabei, sich endgültig aus dem Parteiensystem als ehemals „große Volkspartei“ zu verabschieden.
Weiterhin bliebe die AfD (16,1 %) drittstärkste Partei, die - laut der gemittelten Umfragedaten – 3,5 %-Punkte mehr als bei der Bundestagswahl erzielen würde. Offenbar resultiert die derzeitige demoskopische Stärke der AfD nach wie vor daraus, dass sie – immer noch - als „einzige System-Opposition“ wahrgenommen wird.
Die FDP kommt in diesen Monat auf 8,9 % (- 1,8 %-Pkte.), eindeutige Gewinner wäre auch im September erneut Bündnis 90/Die Grünen, welche jetzt 14,6 % erreichen (+ 5,7 %-Punkte). Die Grünen stehen (im Parteiensystem) der AfD – beide als Oppositionsparteien auf Bundesebene – in Punkto multikulturelle Gesellschaft vs nationalistisch eingestellte Gesellschaft diametral gegenüber: Zugewinne bei der AfD scheinen sich auch in Zugewinnen für die Grünen - und umgekehrt - niederzuschlagen. Angemerkt aber sei zudem dieses: Die Grünen haben recht häufig innerhalb der Legislaturperioden (Bundestag) bei den Umfragen hoch abgeschnitten, so 2011, 2016 und jetzt wieder. Bei den jeweils darauf folgenden Bundestagswahlen schnitten sie dann deutlich niedriger ab. Deren demoskopische Entwicklung bleibt also abzuwarten.
Die LINKE, die durchschnittliche 10 % erzielt, könnte im Vergleich mit dem Bundestagswahlergebnis in den Umfragen 0,8 %-Pkte. hinzugewinnen. Alle anderen Parteien erzielen laut Umfragedurchschnitt 4,5 % (- 0,7 %-Pkte.).
Beurteilt man die Daten nach dem bekannten „Links-Rechts-Schema“, so erreichen die CDU/CSU, die AfD sowie die FDP zusammen 53,7 %, SPD, Grüne und LINKE erzielen laut Umfragedurchschnitt 41,8 %. Eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen würde auf 52,2 % kommen. Die (mögliche) Mandatsverteilung auf der Basis der gesetzlichen Grundmandate (598 Sitze) zeigt dann folgendes auf: Die CDU/CSU würde 179 Mandate erzielen, die SPD 108, die AfD käme auf 101 Mandate, die FDP auf 56, die Grünen auf 91 und die LINKE könnte mit 63 Sitzen rechnen.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern um den Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten des gesamten Monats der Institute EMNID, Infratest-Dimap, INSA, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut, GMS und dem Institut für Demoskopie (Allensbach) ergibt.