Wahlergebnis in Ungarn bringt wenig Überraschungen: Bericht und Kommentar

Ungarn(Wahl_2018)_kleinBudapest, 10. April 2018: Wie schon seit Wochen durch die Umfragen in Ungarn vermutet wurde, kann die national-konservative Partei FIDESZ (Fiatal Demokraták Szövetsége = Bund Junger Demokraten, bzw. Ungarischer Bürgerbund) wieder mit einer Zweidrittel-Mehrheit im ungarischen Nationalparlament rechnen. Demnach erzielt die Partei des seit 2010 amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán einen Zugewinn von 4,4 Prozentpunkten auf 49,2 % und damit 134 Mandate im 199 Mandate umfassenden ungarischen Parlament. Dabei konnte sie auch 91 der insgesamt 106 Direktmandate gewinnen. In Ungarn gibt es eine Art Grabenwahlrecht”, welches größeren Parteien eine deutlichere Mehrheit bringt.
Deutlich zweitstärkste Partei wurde die rechtsextreme Jobbik Magyarországért Mozgalom (Bewegung für ein besseres Ungarn) mit 19,2 %, auf den dritten Platz stürzte die MSZP (Magyar Szocialista Párt = Ungarische Sozialistische Partei) mit einem Verlust von 13,2 %-Punkten auf jetzt 12,3 %. Dabei war sie bei der vorhergehenden Parlamentswahl 2014 in einem Bündnis mit der DK (Demokratikus Koalíció = Demokratische Koalition) und der MLP (Magyar Liberális Párt = Ungarische Liberale Partei) wie auch der
Együtt (Zusammen!) angetreten. DK und Együtt erzielten dieses Mal als jeweils einzeln angetretene Parteien zusammen nur rund 6,2 %. Daher lassen sich die Verluste der Sozialisten nicht allein daraus erklären.
Kommentar: In einigen deutschen Medien wurde kurz vor dieser Wahl wieder einmal künstlich eine „Spannung" aufgebaut. Diese wurde damit begründet, dass die Wahlbeteiligung angestiegen ist (tatsächlich um gut 6,5 %-Punkte) und dieses sich zugunsten der Opposition auswirken würde. Ausgewirkt hat sich die höhere Wahlbeteiligung schon, allerdings eben nicht zugunsten der Oppositionsparteien. Wie in den öffentlich-rechtlichen Medien (z. B. in der „Heute"-Sendung im ZDF am 8. April 2018, 19 Uhr) ein geistig und kognitiv unbelasteter Journalist diesem bedauerlichen Irrtum verfallen konnte, lässt sich schwer erahnen. Anscheinend sind einige Berichterstatter doch nicht so intelligent, wie sie von sich selbst glauben mögen.

Umfragen und deren Widersprüche: Bericht und Kommentar

EMNID-FORSA-Umfragen(080418)_kleinBerlin, 8. April 2018: Seit geraumer Zeit geben sowohl das FORSA-Institut - für die zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Fernsehsender RTL und N-TV – wie auch das EMNID-Institut – für die zum SPRINGER-Konzern gehörende „BILD am Sonntag” – am gleichen Tag die von Ihnen erstellten Umfragen („Sonntagsfrage”) heraus. Dass die Daten der Institute nicht 100-prozentig übereinstimmen, liegt in der Natur der Sache. Aber dass die jeweilige Interpretation der unterschiedlichen Daten auch recht unterschiedlich ausfällt, ist doch auffallend.
So liegt die SPD bei EMNID nur bei 17 % und „verlor” im Vergleich mit der Umfrage desselben Instituts eine Woche davor einen Prozentpunkt. FORSA hingegen will einen „Zugewinn” bei der SPD von 2 %-Punkten - auf jetzt 20 % - ausgemacht haben. Die Begründung hierfür ist nahezu die gleiche wie bei EMNID: Die Bewertung der Arbeit der SPD in der neuen Großen Koalition, so wird FORSA bei N-TV zitiert.
Diese drei Prozentpunkte würden bei der gleichen Wahlbeteiligung wie bei der letzten Bundestagswahl am 24. September 2017 (76,2 %) nahezu 1,4 Millionen Stimmen und ca. 19 Bundestagsmandate (auf der Basis der 598 gesetzlichen Mandate) ausmachen. Da die betreffenden Medien offenbar der Auffassung zu sein scheinen, dass „ihre Umfragedaten” die wohl einzig korrekten sind, erübrigt sich die Forderung nach einem Vergleich und einer unabhängigen Interpretation der Daten.

Durchschnittliche Umfragedaten im März: SPD immer noch unter 20 %

Monats-Umfrage(Maerz_2018)_smallBerlin, 31. März 2018: Die SPD befindet sich weiterhin im Durchschnitt aller 20 bundesweiten Umfragen, der sog. „Sonntagsfrage“, bei unter 20 %, genauer gesagt: 18,1 %. Dabei fließen die Daten aller 7 führenden Meinungsforschungsinstitute in diese Berechnung ein. Der Beginn dieses demoskopischen Rückgangs der Sozialdemokraten fiel zeitlich mit den Verhandlungen der SPD und der CDU/CSU über die erneute Bildung einer sog. „Großen Koalition“ zusammen, die inzwischen gebildet wurde. Die SPD ist liegt demnach zusammen mit den Unionsparteien, die in diesen Monat im Umfragedurchschnitt 33,2 % (+ 0,3 %-Punkte) erreichen, bei 51,3 %. Vor einem Jahr erzielten beide Parteien zusammen im Umfragedurchschnitt 64,7 % (CDU/CSU: 32,8 %, SPD: 31,9 %).
Drittstärkste Partei bliebe die AfD (13,6 %), die - laut der gemittelten Umfragedaten - 1,0 %-Punkte mehr als bei der Bundestagswahl erzielt. Offenbar resultiert die derzeitige demoskopische Stärke der AfD nach wie vor weniger aus ihren Themen, sondern eher daraus, dass sie als „einzige“ Opposition wahrgenommen wird. Und offenbar sind viele der AfD-Anhänger auch ehemalige Wähler/innen der SPD.
Die FDP stabilisiert sich diesen Monat auf 9,1 % (- 1,6 %-Pkte.), Gewinner wäre Bündnis 90/Die Grünen, die jetzt 11,6 % erreicht (+ 2,7 %-Punkte), sowie die LINKE, die auf durchschnittliche 10,5 % kommt (+ 1,3 %-Pkte.). Alle anderen Parteien erzielen laut Umfragedurchschnitt 3,9 % (- 1,3 %-Pkte.).
Beurteilt man die Daten nach dem bekannten „Links-Rechts-Schema“, so erreichen die CDU/CSU, die AfD sowie die FDP zusammen 55,9 %, eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen würde auf 53,9 % kommen. SPD, Grüne und LINKE erzielen laut Umfragedurchschnitt 40,2 %. Die (mögliche) Mandatsverteilung, nach den gesetzlichen Grundmandaten (598 Sitze), zeigt dann folgendes auf: Die CDU/CSU würde 206 Mandate erzielen, die SPD 113, die AfD käme auf 85 Mandate, die FDP auf 57, die Grünen auf 72 und die LINKE könnte mit 65 Sitzen rechnen.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser „Rangliste” nicht um eine sozialwissenschaftliche Untersuchung, sondern um den Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten des gesamten Monats der Institute EMNID, Infratest-Dimap, INSA, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut, GMS und dem Institut für Demoskopie (Allensbach) ergibt.