Unterschiedliche Einschätzungen des Ergebnisses der niedersächsischen CDU bei der Landtagswahl

Niedersachsen(Wahlkreise_Schaetzung_01Oktober)_kleinHannover, 1. Oktober 2022: Infratest-Dimap für die Sender der ARD und die Forschungsgruppe Wahlen e.V. für das ZDF haben am 29. bzw. dem 30. September bei der Sonntagsfrage („Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre?“) zur Landtagswahl in Niedersachsen am 9. Oktober bez. eines Wahlergebnisses der CDU höchst unterschiedliche Ergebnisse präsentiert. So kommen die Christdemokraten bei Infratest-Dimap auf 30 %, lediglich zwei Prozentpunkte hinter der SPD, die 32 % in beiden Umfragen erzielt. Die Forschungsgruppe Wahlen veröffentlicht für die CDU 27 %. Dieser Unterschied schlägt sich durchaus bei der Mandatsverteilung nieder, denn mit 30 % könnte die CDU im Land 44 Mandate erzielen (ohne Überhang- und Ausgleichsmandate), mit 27 % erzielt die CDU lediglich 40 Sitze.
Insgesamt kommen die Parteien im Durchschnitt der 13 Umfragen zur Wahlabsicht im Land, die seit Februar 2022 veröffentlicht wurden, auf folgende Werte: Für die CDU ergibt sich in diesem Durchschnitt 27,1 %, die SPD erzielt 31,5 %, Bündnis 90/Die Grünen liegt bei 18,4 %, die FDP bei 6,6 %, die AfD kommt auf 7,6 % und die LINKE erzielt im Durchschnitt nur 3,5 %. Alle anderen Parteien liegen bei 5,3 %.
Im Falle der FDP lässt sich sagen, dass diese in den vier letzten Erhebungen bei 5 % liegt. Seit Februar, als sie in der INSA-Umfrage 11 % erzielte, gingen ihre Anteile beständig zurück und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie die 5 % verfehlt. Anders hingegen die Umfrageergebnisse für die AfD: Diese lagen anfänglich bei 6 - 7 %, die Forschungsgruppe Wahlen sieht diese Partei nun bei 11 %, die AfD ist kontinuierlich angestiegen bei den Antworten zur Wahlabsicht.
Die SPD liegt, wie oben erwähnt, bei eingeschätzten 32 %, sie hat sich, vom Tiefpunkt am 30. August in der FORSA-Umfrage, etwas gefangen. Dennoch würde sie recht deutliche Einbußen einfahren. Die Grünen werden zuletzt auf 16 % eingeschätzt, diese Partei hat eine gewisse Zeit sogar bei 22 % gelegen.
Insgesamt also lassen sich Durchschnitte bei Umfragen nur bedingt auf ein Endergebnis anwenden, vor allem, wenn in einem Zeitverlauf recht deutliche Schwankungen, wie zum Beispiel bei den Grünen, auftreten. Daher ist auch die Umrechnung auf die endgültige Verteilung der Wahlkreise etwas fraglich. Aber würde der ermittelte Durchschnitt einem endgültigen Wahlergebnis entsprechen, so könnte die SPD mit derzeit 61 Direktmandaten rechnen. Dadurch ergibt sich eine Anzahl an Überhangmandaten von ca. 13 bei der SPD. Theoretisch erhöht sich dann die Gesamtzahl der Landtagssitze von regulär 135 auf ca. 177. Die CDU z. B. würde davon ca. 52 Sitze erhalten, 12 Ausgleichsmandate inklusive.

„Sonntagsfrage“-Durchschnitt im September: Union zieht noch weiter an

Monats-Umfrage(September_2022)_kleinBerlin, 30. September/ 1. Oktober 2022: Auch der September 2022 hat für die SPD keine guten demoskopischen Nachrichten parat: Nach wie vor sind die Sozialdemokraten recht niedrig, in diesem Monat sind sie auf 18,6 % taxiert, insgesamt 7,1 %-Punkte weniger als bei der Bundestagswahl im letzten Jahr. Die SPD würde somit rund 28 % ihrer damaligen Wählerschaft einbüßen, vorausgesetzt, dieser Mittelwert aus insgesamt 23 Umfragen wäre ein tatsächliches Wahlergebnis.
Noch höhere Einbußen im Vergleich mit dem Ergebnis der Bundestagswahl vom 26. September 2021 bekommt die FDP, die zwar 4,2 %-Punkte verlöre, dieses aber nahezu 37 % ihrer damaligen Anteile (11,5 %) ausmachen würde.
Die CDU/CSU kann im Vergleich mit dem letzten Bundestagswahlergebnis 3,4 %-Punkte auf jetzt 27,5 % hinzugewinnen, sie ist aber noch längst nicht in dem Bereich, wo sie beispielsweise bei der Wahl 2013 stand (41,5 %).
Bündnis 90/Die Grünen ist weiterhin die demoskopische Gewinnerpartei, auch wenn sie im Vergleich zum Vormonatsdurchschnitt um rund 2 %-Punkte abgibt: Mit durchschnittlichen 20,5 % würde diese Partei 5,7 %-Punkte zulegen.
Die LINKE scheint sich - im Monat September weiterhin – demoskopisch zu berappeln. Lag sie im Frühjahr noch durchgehend bei zum Teil deutlich unter 5 %, so kommt sie nur noch bei einer der 23 „Sonntagsfragen“ auf Werte oberhalb von 5 %. Insgesamt erzielt die LINKE 5,2 %
Die AfD ist nun wieder zu den demoskopischen Gewinnern zu rechnen. Sie würde zu ihrem Ergebnis von 10,3 % nun fast 3 Prozentpunkte zulegen, auf jetzt 13,2 %. Alle anderen Parteien kommen auf 7,7 % (- 1,0 %-Punkte).
In Bundestagssitze umgerechnet, ohne Überhang- und Ausgleichsmandate, würde die SPD 120 Mandate erzielen, die CDU/CSU käme auf 178 Sitze, die Grünen auf 133, die FDP auf 47, die AfD würde 86 Sitze bekommen und die LINKE 34.
Damit ist die Opposition im Bundestag aus CDU/CSU, AfD und der LINKEN in unterschiedlichen Werten zu den Gewinnern zu rechnen. Das aber ist auch dem Oppositionseffekt geschuldet. Es steht noch nicht fest, wie sich diese Lage entwickeln wird.
Zur Erklärung: Es handelt sich bei dieser Rangliste nicht um eine eigene sozialwissenschaftliche Studie, sondern dem Durchschnittswert, der sich aus der Berechnung der veröffentlichten Umfragedaten eines gesamten Monats der Institute Kantar, Infratest-Dimap, INSA-Consulere, GMS, der Forschungsgruppe Wahlen e. V., dem FORSA-Institut, und dem Institut für Demoskopie (Allensbach) sowie YouGOV ergibt.